Der Begriff Evidence | Epidemiologie | Möglichkeiten und Grenzen | Zusammenfassung |
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Die Bedeutung des Begriffs "Evidence"

Für eine Diskussion der Philosophie, die dem "Evidence-based"-Ansatz zugrunde liegt, braucht es zuerst eine Klärung des Begriffes "Evidence".

Der Begriff wird in der angloamerikanischen Bedeutung des Wortes gebraucht. Während der deutsche Begriff "Evidenz" mit "Augenscheinlichkeit" oder "völlige Klarheit "umschrieben werden kann, wird "Evidence" in diesem Zusammenhang besser mit "Beweis" oder "Zeugnis" übersetzt(1,2). Allerdings würde auch die Bezeichnung "Beweis-basiert" nicht ganz die Bedeutung von "Evidence-based" wiedergeben, insbesondere deshalb nicht, weil im wissenschaftlichen Kontext die Konnotation "Wissenschaftlicher Beweis" und damit ein Absolutheitsanspruch mitschwingt, der mit "Evidence-based" nicht gemeint ist(3).

Es bleibt also nichts anderes übrig, als die Bedeutung zu umschreiben. Je nach Perspektive und Disziplin fällt die Umschreibung bzw. Definition von "Evidence-based" etwas anders aus. Andrew Booth hat in seinem Internetangebot "Netting the evidence" über 20 Definitionen zusammengestellt(4).

Die wohl bekannteste Definition bezieht sich auf die Medizin: David Sackett hat Evidence-based Medicine wie folgt definiert: "Evidence-based Medicine is the conscientious, explicit and judicious use of current best evidence in making decisions about the care of individual patients(5). [Übersetzung] Für Evidence-based Public Health gilt sie sinngemäss, indem "decisions about the care of individual patients" mit "health care decisions" ersetzt werden kann.

Kernpunkte des "Evidence-based"-Ansatzes sind also zwei Forderungen:

- Entscheide sollen explizit aufgrund der besten vorhandenen
   wissenschaftlichen Information gefällt werden

- Entscheide bzw. Lehrmeinungen sind immer zu begründen.

Mit der Forderung nach Begründung tun sich viele schwer. Befürworter von Evidence-based Medicine haben denn auch darauf hingewiesen, dass Kliniker, welche eher einen autoritären Lehr- oder Führungsstil vertreten, Evidence-based Medicine als unangenehm empfinden, da ihre Lehrmeinungen vermehrt in Frage gestellt werden können(6).

 

Links zum Thema

Sackett, DL, Rosenberg WMC, Gray JAM, Haynes RB, Richardson WS. Evidence based medicine: what it is and what it isn't. BMJ 1996;312:71-72.  Link

Deutsche Übersetzung  Link

Boot A. Definitions of Evidence Based Practice.  Link

 

Referenzen

1. Langenscheidts Fremdwörterbuch
http://www.langenscheidt.de/index.html

2. Betterige HT, Cordes G. Cassels Wörterbuch Deutsch-Englisch, Englisch Deutsch. München (GE): Compact Verlag; 1980.

3. Bleuer JP, Haugh M, Boissel JP. La controverse sur la médecine factuelle: Lever les ambiguïtés du concept. Med_Hyg 2000;58:1072-8.

4. Boot A. Definitions of Evidence Based Practice
http://www.shef.ac.uk/~scharr/ir/def.html.

5. Sackett, DL, Rosenberg WMC, Gray JAM, Haynes RB, Richardson WS. Evidence based medicine: what it is and what it isn't. BMJ 1996;312:71-2.
http://www.bmj.com.

6. Bucher HC, Egger M Schmidt JG, Antes G, Lengeler C (für die Arbeitsgemeinschaft Cochrane Collaboration Schweiz). Evidence Based Medicine: Ein Ansatz zu einer rationaleren Medizin. Schweizerische Ärztezeitung 1996;41:1660-7.

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