![]() |
Umsetzung des "Evidence-based"-Ansatzes
in Public Health
Es wäre weder sinnvoll noch machbar, die Konzepte der Evidence-based
Medicine unverändert auf Public Health Fragestellungen anzuwenden: Auch
wenn die methodischen Wurzeln in Public Health liegen; die Weiterentwicklung
erfolgte im klinischen Umfeld. Public Health unterscheidet sich jedoch von
der kurativen Individual-Medizin in mehrfacher Hinsicht:
Kurative Individual-Medizin |
Public Health |
|
Die kurative Medizin beschäftigt sich mit dem individuellen Patienten. Die populationsbezogene Perspektive liefert zwar Erkenntnisse in Form von epidemiologischen Daten bzw. daraus resultierenden Schlussfolgerungen; die Anwendung dieser Erkenntnisse, z.B. als medizinische Verfahren, geschieht aber am individuellen Patienten; entsprechend sind auch die Vor- und Nachteile für den individuellen Patienten zu diskutieren; sie betreffen im Eintretensfall das gleiche Individuum. Die unterschiedliche Perspektive von kurativer Medizin und Public Health können zu einem Interessenskonflikt führen.
|
Public Health beschäftigt sich mit der Bevölkerung bzw. Teilen davon. Public Health Entscheide betreffen immer die Population; es kann sein, dass die Vorteile einer Intervention einer bestimmten Subpopulation zugute kommen, während die Nachteile eine andere Gruppe betreffen. |
|
Die Individualität des Patienten wird z.B. in der anthroposophischen Medizin in den Vordergrund gerückt. Die Schulmedizin geht jedoch von der impliziten Annahme aus, dass die biomedizinischen Parameter zwischen Patienten (zumindest innerhalb bestimmter Patientengruppen) weitgehend vergleichbar sind.
|
Im Gegensatz zur kurativen Medizin ändert sich der "Patient"
in Public Health immer wieder: Die Gesellschaft ändert sich dauernd;
ihre Reaktion auf eine Intervention verändert sich abhängig
von Ort und Zeit. |
|
Diagnosen sind in der Regel definierte Entitäten: Mit der Diagnose werden die Probleme des Patienten "katalogisiert"; daraus resultiert die Wahl der Therapie. Die medizinische Routine ist nicht darauf vorbereitet, dass die Beschwerden eines Patienten nicht zu diagnostischen Entitäten zugeordnet werden können. Geschieht dies, wird rasch von einem "Problempatienten" gesprochen.
|
Das Selbstverständnis von Public Health beinhaltet das Angehen gänzlich neuer Fragestellungen (entsprechend neuen diagnostischen Entitäten): Die Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit ändern sich mit dem Umfeld und mit der Zeit. |
|
Auch Therapien sind definierte Entitäten; allenfalls werden sie etwas modifiziert. Sind mehrere Therapien erforderlich und interferieren diese gegenseitig, muss das optimale Vorgehen durch Abwägen von Vor- und Nachteilen analysiert werden. Man
kann einwenden, auch in der kurativen Medizin gebe es immer wieder neue
Methoden. |
Mit Public Health Interventionen wird oft Neuland betreten. Einerseits erfordern neue Probleme neue Lösungen, anderseits sind es die veränderten sozialen, ökonomischen und technologischen Rahmenbedingungen, die bei bekannten Problemen neue Lösungsansätze verlangen bzw. diese erst ermöglichen.
|
Uebung:
Überlegen Sie sich, welche der Unterschiede in Hinblick auf eine praktische Umsetzung von Evidence Public Health von Bedeutung sind. Zur Erinnerung: Die Kernpunkte des "Evidence-based"-Ansatzes .


