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Guidelines

Definitionen

Die wohl gebräuchlichste Definition von Guidelines stammt vom Institute of Medicine IOM, USA, sie bezieht sich jedoch auf klinische Guidelines. Für Public Health gilt sie sinngemäss:

Clinical practice guidelines are systematically developed statements to assist practitioner and patient decisions about appropriate health care for specific clinical circumstances(1).

Der Begriff Guideline stammt aus dem Englischen und kann auf mehrere Arten übersetzt werden: Die Übersetzung mit „Richtlinie“ suggeriert einen Gesetzescharakter, der für die Praxis wohl wenig sinnvoll ist. Der Sinn des obengenannten Zitates wird wohl besser mit den Bezeichnungen "Leitlinien" bzw. "Empfehlung" wiedergegeben.

 

Levels of Evidence

Nur zu einer kleinen Anzahl von Fragen aus der Praxis existiert eine Systematic Review und viele relevante Probleme können gar nicht mit einem Randomised Controlled Trial untersucht werden. Bei Guidelines ist deshalb wichtig zu wissen, wie zuverlässig die Datenlage ist, auf die sich eine Empfehlung stützt. Hilfreich dafür ist ein Klassensystem von Levels of Evidence bzw. Grades of Recommendations.

Im Internet finden sich zahlreiche Publikationen von solchen Klassensystemen. Sie sind meistens ähnlich, zum Teil adaptiert auf spezielle Fachgebiete.

Die Einteilung von Bob Phillips, Chris Ball, Dave Sackett, Doug Badenoch, Sharon Straus, Brian Haynes, Martin Dawes(2) ist eine Weiterentwicklung der 1979 von Suzanne Fletcher and David Sackett für die Canadian Task Force on the Periodic Health Examination entwickelten Levels of Evidence(3).  Link

 

Anforderungen an Guidelines

Je nach Fragestellung kann die Entwicklung von guten Guidelines sehr teuer und aufwendig werden. Nicht alle Guidelines werden mit dem notwendigen Aufwand erstellt. Zum Teil fehlen den Autoren auch die notwendigen Methodikkentnisse so dass es nicht verwundert, dass viele publizierte Guidelines qualitativ nicht befriedigen.

Bevor man Guidelines befolgt ist es deshalb eine kritische Beurteilung unverzichtbar. Die Überprüfung der methodischen Qualität von Guidelines setzt jedoch ein systematisches Vorgehen und ein geeignetes Instrument voraus.

 

Das AGREE Instrument

Für Europa wohl am wichtigsten ist das AGREE-Instrument. AGREE ist die Abkürzung von „Appraisal of Guidelines Research & Evaluation in Europe“ und ist ein Netzwerk für die internationale Zusammenarbeit von Forschern und Gesundheitspolitikern( 4). Das Ziel ist, die Qualität und Effektivität von Clinical Practice Guideline zu verbessern.  Link

Das AGREE Instrument ist im Wesentlichen eine Checkliste(5). Für jede Frage stellt das Instrument eine Skala von vier Einheiten Agree zur Verfügung:

 

Strongly Agree / / Disagree / Strongly Disagree.

Zusätzlich kann ein Kommentar im Freitext eingegeben werden.

AGREE empfiehlt, dass eine Guideline jeweils von vier, midestestens aber von zwei Reviewern unabhängig beurteilt wird. Die Fragen gliedern sich in sechs Kapitel, deren wesentlichste Aspekte im folgenden dargestellt sind. Anschliessend an jedes Kapitel findet sich ein User Guide mit präzisierenden Angaben.

Das AGREE Instrument wurde in zahlreiches Sprachen übersetzt, unter anderem auch in
deutsch(6).  Link

 

1. Scope and Purpose

Scope and Purpose bezieht sich auf die potentiellen Auswirkungen auf die Gesellschaft bzw. bestimmte Patienten. Folgendes soll in einer Guideline beschrieben sein:

 

2. Stakeholder Involvement

Es soll dargestellt werden, wer bei der Entwicklung der Guideline einbezogen wurde:

 

3. Rigour of Development

Folgende Angaben zur Entwicklung sollen gemacht werden:

 

4. Clarity and Presentation

Die Klarheit der Darstellung soll wie folgt dokumentiert werden:

 

5. Applicability

Die Anwendbarkeit soll hinsichtlich folgender Aspekte dokumentiert werden:

 

6. Editorial Independence

Die Unabhängigkeit der Beteiligten soll belegt werden:

 

Schlussbeurteilung

Am Schluss des AGREE-Instrumentes steht das Overall Assessment.

Als zusammenfassende Beurteilung kann als Antwort auf die Frage

"Would you recommend these Guidelines for use in practice?”

unter folgenden Optionen ausgewählt werden:

 

Referenzen

1. Institute of Medicine. Clinical Practice Guidelines: Directions for a New Program,
M.J. Field and K.N. Lohr (eds.) Washington, DC: National Academy Press; 1990. p 38.

2. Phillips B, Ball C, Sackett D, Badenoch D, Straus D, Haynes B, Dawes m. Levels of Evidence and Grades of Recommendation. Oxford: Oxford-Centre for Evidence Based Medicine; 2001. http://www.cebm.net/levels_of_evidence.asp.

3. Canadian Task Force on the Periodic Health Examination: The periodic health examination. CMAJ 1979;121:1193-1254.

4. Introduction to the AGREE Collaboration. London: AGREE Collaboration; 2002. http://www.agreecollaboration.org

5. The AGREE Collaboration. AGREE Instrument. London: AGREE Collaboration; 2002. http://www.agreecollaboration.org/pdf/agreeinstrumentfinal.pdf.

6. The AGREE Collaboration. AGREE Instrument (Deutsche Version). London: AGREE Collaboration; 2001. http://www.agreecollaboration.org/pdf/de.pdf.

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